Gräfin Golovina
Kaltnadelradierung auf Zink, 9x7,5 cm, Detail/Adaption: Vigée le Brun:Porträt der Gräfin Golovina, ca. 1797 –
Warvara Nikolayevna Golovina (1766–1821) – Die Memoiren der russischen Adeligen umfassen rund vierzig Jahre. Vom Leben am Hof Katharinas der Großen bis zum Wiener Kongress beobachtete, dokumentierte und kommentierte Golovina Menschen und Ereignisse. Élisabeth Vigée Le Brun wird in ihren Aufzeichnungen erwähnt, das eigene Porträt jedoch nicht. Ein Entstehungsdatum des Bildnisses ist nicht überliefert. Golovina beobachtete scharf – blieb aber in Distanz zu sich selbst. Eine Ausnahme in den Memoiren bildet die tiefe Verbundenheit zu Louise Emmanuelle de Châtillon, Prinzessin von Tarent. Über deren Tod schrieb sie: „Ich dachte bei mir: ›Gott, ich habe für sie gebetet, als sie noch lebte, während ihrer Leiden; wie soll ich jetzt beten?‹ Meine jüngere Tochter blätterte gerade in Madame de Tarentes Gebetbuch und sagte plötzlich, als wolle sie meine Gedanken erhören: ›Mama, hier ist ein wunderschönes Gebet für dich, genau jetzt.‹ Ich war von diesem seltsamen Zufall tief berührt und fühlte mich in der tröstlichen Gewissheit bestärkt, dass die Seele meiner Freundin bei uns war.“ (Memoir of Countess Golovin, 1910, S. 362)
