Lady Hamilton

Kaltnadelradierung auf Zink, 5x5 cm, Detail/Adaption: Vigée le Brun:
Lady Hamilton als persische Sybille, 1792 —

Geboren in ärmlichen Verhältnissen im Norden Englands, fing Emma als Dienstmädchen an – und machte Karriere als Muse europäischer Maler, Gattin eines Botschafters und Geliebte von Lord Nelson. Ihre Spezialität: "Attitudes" –  eine Art Performance-Kunst. Sie spielte Medea, Iphigenie, Venus – und wechselte dann nahtlos zu Maria Magdalena als Büßerin. Ohne Worte, nur mit Gesten. Eine One-Woman-Show, die auch Goethe auf seiner Italienreise faszinierte.
Vigée Le Brun zeigte sie hier als „persische Sibylle": eine geheimnisvolle, leicht exaltierte Wahrsagerin mit Turban und entrücktem Blick. Kein reines Porträt, sondern bewusst als Historienbild konzipiert – Le Brun wollte zeigen, dass sie mehr als „nur" Porträts malen konnte. Sie führte das Bild durch halb Europa mit sich und stellte es regelmäßig aus – als künstlerische Visitenkarte im Exil.
Ihr Ende war tragisch: Lady Emma Hamilton, einst gefeiert und umgeben von mächtigen Männern, starb verarmt im französischen Exil.